GESCHICHTE
Chronik 1874 - 1999 aus dem Festführer anlässlich des 125 Jahr Jubiläums

"Nei jetzt wännd doch die Wiiber au no singe. Das wird en Jammergsang gäh".
So ähnlich wird es wohl Ende 1874 am Stammtisch getönt haben. Doch die Fräuleins Lochmann, Stocker, Strickler, und 20 weitere tapfere Sängerinnen liessen solche Sprüche kalt. Sie fanden zahlreiche, namhafte Persönlichkeiten aus dem Dorf, die sie finanziell und moralisch unterstützten. So stand der Geburt des Töchterchors, unter der Leitung von Kapellmeister Joh. Jak. Hess, am 15. November 1874 nichts mehr im Wege. 20 Rappen im Monat kostete die Mitgliedschaft. Bis zur Einweihung der Uerikon-Bauma-Bahn am 30.5.1901, gaben die Töchter zusammen mit dem Männerchor mehrere Konzerte, teils mit Theater und auch einen "gymnastikalisch-musikalischen Abend" zusammen mit dem Turnverein. Wie bereits erwähnt: die Einweihung der Uerikon-Bauma-Bahn war ein Grossereignis. An diesem Anlass entstand die erste Fotografie des Chores.
Die Nervosität bei der ersten Teilnahme 1909 an einem Sängerfest war so gross, dass sich die Töchter kaum auf die Bühne wagten. Und ihr Vortrag glich eher den Lauten einer getretenen Katze.
Die Kriegsjahre 1914 - 1918 boten dem Vereinsleben Einhalt. Erst zum 50-Jahr-Jubiläum 1924 blühte der Chorgesang wieder richtig auf. Die erste Vereinsfahne konnte angeschafft werden.
Die Zahl der Sängerinnen erhöhte sich im Laufe der Jahre. Die Teilnahme an diversen Sängerfesten stand wieder auf dem Programm. Und wieder einmal mehr hatten die Frauen Pech mit ihrem Wettlied. 1933, am Verbandsfest in Zürich, erhielten sie eine niederschmetternde Kritik. Trotzdem waren die Töchter Hombrechtikons in der 30er-Jahren beim männlichen Geschlecht sehr beliebt. Um eine massive Schrumpfung des Chores zu verhindern, taufte man ihn 1934 um in Frauen- und Töchterchor, damit die Verheirateten weiter mitsingen konnten.
Schon bald fielen wieder die Schatten eines Weltkrieges über das Vereinsleben. 1940 und 1941 belebten Soldaten das Dorf. An manchen lauen Abenden traf man sich am Lützelsee und manch liebliche Melodie klang über den idyllisch gelegenen See. Viele Bekanntschaften zwischen den Soldaten und den Töchtern Hombrechtikons wurden geschlossen und führten nicht selten zum Traualtar. Sicher zum Leidwesen der Hombrechtiker Söhne.
Nach den Kriegswirren lebte auch wieder der Gesangsalltag auf. Ein Ständchen zum Muttertag, ein Lied zum Abschied eines Dirigenten und vieles mehr bis hin zum 75-Jahr-Jubiläum 1949. Seit 75 Jahren hatte der Chor seinen festen Platz in der Dorfgemeinschaft. Er bestritt viele Abendunterhaltungen, Adventssingen mit dem Frauenchor Stäfa und wirkte 1957 auch beim 125-Jahr-Jubiläum des Sängervereins als Patin. Als Geschenk überreichten die Sängerinnen das Lied "Aus der Traube in die Tonne".Im Sommer 1959 ersangen sich die Frauen am Sängerfest in Renens den ersten Goldlorbeer-Kranz. Im selben Jahr gelangte der Chor zu Filmruhm. Neben Grössen wie Schaggi Streuli, Emil Hegetschweiler, Heinrich Gretler u.v. mehr agierten sie als Statisten im Film "Hast noch der Söhne ja". Als Gage winkte ein fürstliches Würstlibankett.
Höhepunkte waren 1962 und 1963 Aufführungen in Form einer Revue. Der nächste Höhepunkt folgte 1964: das Seeverbandsfest in Hombrechtikon. Gegen 2000 Sänger bevölkerten das Dorf und wurden in einer grossen Festhütte unter "militärischer" Leitung verköstigt.
Im Jahre 1973 liefen die Vorbereitungen für die 100-Jahr-Feier des Chores mit Fahnenweihe auf Hochtouren. Das finanzielle Problem wurde mit der Durchführung einer Kaffee-Stube mit Flohmarkt anlässlich der Chilbi gelöst. Mit der grosszügigen Schenkung einer neuen Vereinsfahne enthob Max Hirlinger die Sängerinnen der grössten finanziellen Sorge.
1980 konnten die ersten Veteraninnen nach 35 Jahren Chortreue geehrt werden. 1982 nahmen die Sängerinnen wieder aktiv teil am 150-Jahr-Jubiläum des Sängervereins. Weiter ging es mit verschiedenen Konzerten wie "American Folksongs", "Lieder aus aller Welt", "Seemannslieder", "Liebeslieder" und auch Singen in Altersheimen. An der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft sang der Chor zusammen mit dem Kirchenchor.
Aus Mangel an Töchtern wurde am Maibummel 1993 beschlossen, fortan den zeitgemässeren Namen "Frauenchor" zu führen.
Weitere Höhepunkte waren 1994 die Einweihung des Gemeindesaales und 1996 der Empfang des Turnvereins nach dem Eidg. Turnfest und des Silbermedaillengewinners Thomas Frischknecht.
1999! Das Jubiläumsjahr! Mit eine Jahrhundert-Revue wurde unser 125-Jahr-Jubiläum im Gemeindesaal Hombrechtikon unter Mitwirkung des Sängervereins und vielen Helfern zu einem unvergesslichen Erlebnis!
Nostalgie-Bilder